Blick über den Nordschwarzwald
Blick über den Nordschwarzwald
Lichter Nadelwald im Südschwarzwald
Lichter Nadelwald im Südschwarzwald
Dunkler Fichtenwald
Auf den Boden der Fichtenforste fällt wenig Licht
Gespinsttrichter von Coelotes terrestris
Gespinsttrichter von Coelotes terrestris
Zwergspinne Centromerus pabulator
Bergwald-Moosweberchen
Männchen von Walckenaeria acuminata
Walckenaeria acuminata
Nasenspinnchen Nusoncus nasutus
Zwergspinnen (Nasenspinnchen) vor dem Ballooning

Entstehung

Der Wald im Nationalpark Schwarzwald ist wie in vielen Regionen Deutschlands stark von der Fichte geprägt. Die Dominanz dieser Baumart ist jedoch nicht natürlich bedingt, sondern vor allem durch den Einfluss des Menschen zu erklären. Die Fichte wurde über die letzten Jahrhunderte forstlich stark gefördert. Die ursprünglich vorhandenen Buchen- und Buchen-Tannenwälder wurden insbesondere Anfang des 19. Jahrhundert durch Nutzung stark dezimiert. Vor allem Tannen fanden als Masten für Segelschiffe und den Bau von Häfen Verwendung und alte, hohe Tannen finden sich heute nur noch vereinzelt im Schwarzwald. Die Fichte war wahrscheinlich auf die höchsten Lagen des Schwarzwaldes, z.B. am Feldberg, beschränkt. Weil hauptsächlich mit dieser Baumart aufgeforstet wurde, bzw. sie als einzige Baumart nach starkem Holzeinschlag schnell nachwuchs, stellt sie heute rund 70 % des Baumbestandes im Schwarzwald.  

Spinnen im Wald

Am Boden eines Fichtenhochwaldes ist es das ganze Jahr über relativ dunkel und kühl, da nur wenig Sonnenlicht durch die dicht benadelte Krone der Bäume dringt. Die durch den langsamen Abbau der Fichtennadeln unter kühl-feuchten Bedingungen am Boden anwachsende Streuauflage (Rohhumus) trägt direkt zur Versauerung des Oberbodens bei. Die Pflanzendecke ist entsprechend gering und nur an wenigen Stellen kann sich eine Krautschicht ausbilden.

Für bodenlebende Kleintiere, darunter auch Spinnen, ist die dicke Streuauflage aber ein geeigneter Lebensraum. So können im Jahresverlauf durchaus 40 oder mehr Spinnenarten am Boden eines Fichtenwaldes gefunden werden. Eine der häufigsten Spinnen am Waldboden ist die Gewöhnliche Bodentrichterspinne Coelotes terrestris. Diese bis zu 13 mm Körperlänge erreichenden Spinnen gehören zu den größten Spinnenarten unserer Wälder. Meist sind sie unter Totholz, Steinen oder direkt in der Streuschicht zu finden, wo sie kleine Trichternetze anlegen und auf vorbeikommende Beute, wie z.B. Laufkäfer oder Asseln, lauern. Im Schwarzwald kann zudem die ähnlich große, nur in Mittelgebirgen vorkommende Baumstumpfspinne Callobius claustrarius gefunden werden. Sie sieht Coelotes terrestris auf den ersten Blick ähnlich, gehört aber zu einer anderen Spinnenfamilie (Amaurobiidae), die einen ganz besonderen Typ von Spinnfäden und Netzen herstellen. Ihre kleinen cribellaten Netze dienen nicht nur der Signalweiterleitung wie bei C. terrestris, sondern können aktiv Beute festhalten, wobei die Funktionsweise des einen Klettverschlusses ähnelt.

Ebenfalls häufig in Fichtenwäldern und ein Kuriosum innerhalb der Mitteleuropäischen Spinnenfauna ist die Dreiecksspinne Hyptiotes paradoxus. Diese ebenfalls cribellate Art lebt in den unteren Astbereichen der Bäume. Die Spinnen weben dreieckige Fangnetze, die wie Ausschnitte normaler Radnetzes aussehen und wahrscheinlich eine Reduktion darstellen. Die Spinnen halten das Netzdreieck mit den Vorderbeinen fest, während sie selbst über einen Spinnfaden an den Spinndrüsen mit einem Ast oder dem Baumstamm verbunden sind. Fliegt nun ein Beutetier, z.B. eine Mücke, in das Netz, verlängert die Dreieckspinne den Befestigungsfaden zum Baum und lässt so das Netz zusammenfallen, wodurch die Beute noch besser eingewickelt wird.

Direkt auf und in der Streuschicht am Waldboden können mit aufmerksamem Blick viele besonders kleine, dunkle Spinnen entdeckt werden. Dabei handelt es sich keineswegs um Jungtiere größerer Arten, sondern um adulte Zwergspinnen der Familie Linyphiidae. Diese Familie stellt in Mitteleuropa mit über 400 bekannten Arten einen großen Teil unserer Spinnenfauna, besonders in Wäldern. Bei einigen Arten, z.B. der Gattung Walckenaeria tragen die Männchen auffällige Sonderbildungen am Kopf bzw. Vorderkörper, die bei der Paarung eine Rolle spielen. Die nur etwa 3 mm großen Männchen von Walckenaeria acuminata tragen vier ihrer acht Augen auf einem teleskopartigen Fortsatz, der den Vorderkörper hoch überragt. Viele dieser winzigen Spinnen verbreiten sich am Fadenfloß, d.h. sie nutzen zum Besiedeln neuer Lebensräume ihre Spinnfäden, die sie von Luftströmungen verdriften lassen. Diese Fäden kennzeichnen den Altweibersommer.

In eher mit Buchen durch setzten Bereichen können vor allem im Frühjahr zahlreiche Wolfspinnen (Pardosa lugubris s.l.) über den warmen Waldboden huschen. Wolfspinnen sind eigentlich hauptsächlich im Offenland wie z.B. in Wiesen oder Hochmooren verbreitet, sind jedoch mit einigen Arten bis in den Laubwald vorgedrungen, auf dem sie, zumindest im Frühling zur Paarungszeit, die dominierende Spinnenfamilie darstellen.

Es lohnt sich daher, auch im Hochwald nach Spinnen zu suchen. Auf den ersten Blick mögen vor allem Fichtenwälder spinnenleer erscheinen, doch bietet er zahlreichen Arten einen Lebensraum.

Wald und Naturschutz

Im Wald ist besonders auf Prozessschutz zu achten. Totholz sollte nicht entfernt sowie der Waldboden nicht mit schweren Erntegeräten verdichtet werden. Im Wirtschaftswald sollte besonders darauf geachtet werden, eine genügend hohe Anzahl von Habitatbäumen (Bäume eines gewissen Alters) pro Hektar sicherzustellen. Im Nationalpark Schwarzwald ist kommerzieller Holzeinschlag sowie das Entfernen von Totholz in den meisten Bereichen verboten, so dass sich der Wald in Ruhe entwickeln kann. Allerdings wird sich erst in den kommenden Jahrzehnten zeigen, wie stark der Einfluss dieser Faktoren auf die Artenvielfalt ist.