Grinden/ Bergheiden

Entstehung und Niedergang

Bei den sogenannten „Grinden“ handelt es sich um feuchte, heideähnliche und fast baumfreie Offenlandlebensräume auf den abgeflachten Buntsandsteinrücken des Nordschwarzwalds. Ähnlich wie die Heidelandschaften Norddeutschlands entstanden auch die „Grinden“ durch jahrhundertelange Überweidung und exzessives Weidbrennen. Im Laufe eines starken Bevölkerungswachstums im Spätmittelalter des 14. Jahrhunderts reichten die Weideflächen in den Tälern des Schwarzwaldes zur Versorgung der ebenfalls angewachsenen Viehherden nicht mehr aus. Die Menschen begannen, die ebenen und nicht so dicht bewaldeten Hochlagen zu roden und Ziegen und Rinder auf diese Flächen zu treiben.

Der Viehtritt der Nutztiere führte auf den Sandsteinrücken schnell zu starken Bodenverdichtungen, da die hohen Niederschläge einen stets weichen Untergrund verursachten. Die permanente Beweidung führte zudem zu starkem Nährstoffmangel auf den schon von Natur aus nicht sonderlich produktiven Flächen. Infolgedessen setzten Vernässung und Moorbildung ein. Viele der heute auf den Grinden vorkommenden Pflanzenarten wie Torfmoose oder Pfeifengras können auch in natürlichen Mooren gefunden werden und zeigen deutlich den Moorcharakter dieser menschengemachten Feuchtgebiete an.  

Grinden als Lebensraum

Die baumfreien Offenlandflächen der „Grinden“, komplett umgeben von dichtem Wald,  stellen einen in Deutschland einzigartigen Lebensraum dar. Durch die nährstoffarmen Böden und die hohen Niederschläge gedeiht eine einzigartige Pflanzenvielfalt. Pfeifengras, Rasenbinse und Heidekraut stellen charakteristische Pflanzen in den „Grinden“ dar. Die baumfreien Bergkuppen, wie z.B. die Hornisgrinde, bieten auch vielen selten gewordenen Tieren einen Lebensraum. So kann man dort Kreuzottern, Auerhähne und Wiesenpieper beobachten.

Die abwechslungsreiche Vegetation der Grinden mit wechselnden feuchten und trockeneren Bereichen stellt auch für Spinnenarten einen optimalen Lebensraum dar. So konnten allein mit Bodenfallen auf einer einzelnen Grindenfläche im Nationalpark weit über 100 Spinnenarten nachgewiesen werden. Die Gesamtartenzahl liegt wahrscheinlich noch deutlich höher.Durch den moorartigen Charakter können in Grinden an einigen Stellen mitunter auch Spinnenarten beobachtet werden, die ursprünglich nur in natürlichen Feuchtgebieten, wie z.B. Hochmooren, vorkommen. So wurde z.B. die sehr seltene Springspinne Heliophanus dampfi auf Grinden nachgewiesen. Die vor allem in Feuchtwiesen vorkommende Wolfspinne Trochosa spinipalpis ist ebenfalls in Grinden zu finden.

Grinden und Naturschutz

Mit der Gründung des Nationalparkes Schwarzwald sollten auch die „Grinden“ geschützt werden, da diese Kulturlandschaft maßgeblich zur einzigartigen Charakteristik des Schwarzwaldes beiträgt. Der besondere Schutz der verbleibenden „Grindenflächen“ war unbedingt notwendig, da seit Ende des 18. Jahrhunderts eine natürliche und anthropogene Aufforstung stattfand. Der Nationalpark Schwarzwald wurde in drei Zonen gegliedert. So gibt es neben der unberührten Kernzone auch eine Managementzone, bei der Eingriffe zum Erhalt von wertvoller Kulturlandschaft erlaubt sind. Deshalb können „Grinden“ kontrolliert mit Rindern und Schafen beweidet werden.