Blockhalden

Entstehung

Die meisten Mittelgebirgs-Blockhalden sind während der letzten Eiszeit (Würm-Eiszeit) - periglazial - entstanden. Durch extreme Kälte, gepaart mit starken Temperaturschwankungen in den kurzen Sommern, zersprangen freiliegende Nährfelsen. Die dadurch entstandenen Felsblöcke rollten an steilen Hängen nach unten und bildeten großflächige Blockhalden. In den tiefen Spalten und Klüften zwischen großen Felsblöcken kann sich an steilen Hängen und bei hohen Niederschlägen kein Bodensubstrat anhäufen. Dies verhindert die Entwicklung einer dauerhaften Pflanzendecke. Aber auch eine sogenannte in-situ Tiefenverwitterung von Sandstein, gefolgt von Ausspülung des Feinmaterials kann zur Bildung von Blockhalden geführt haben. Unter Umständen können sogar heute noch Blockansammlungen, z.B. nach Sturmwurf freigespült werden und so "neue" Halden entstehen.

Blockhalden als Lebensraum

Auf den ersten Blick erscheinen Felsenmeere und Blockhalden als unwirtliche Biotope. Doch gerade dieses Landschaftselement stellt einen vom Menschen nahezu unberührten Lebensraum für Pflanzen und Tiere dar. Da eine landwirtschaftliche oder forstwirtschaftliche Nutzung solcher Standorte kaum möglich war und ist, stellen Blockhalden und Felsen in unserer intensiv genutzten Kulturlandschaft eines der letzten sogenannten Primärhabitate dar.

Je nach Gestein und Exposition entwickeln sich unter sehr speziellen Bedingungen unterschiedliche Lebensgemeinschaften. Besonders für Flechten und Moose stellen Blockhalden einen idealen Lebensraum dar.

Die Lebensbedingungen an Blockhalden sind in vielerlei Hinsicht extrem. In der ständig kalten und feuchten Tiefe der lockeren Halden oder an der sich stark erhitzenden Oberfläche der Steine finden aber zahlreiche Tierarten (z.B. Käfer, Spinnen) geeignete Habitate. Im Inneren einer Blockhalde findet sich i.d.R. ein ganz eigenes Mikroklima, das je nach Umgebungstemperatur z.b. von Kalt- oder Warmluftströmungen geprägt ist. Die Wolfspinne Acantholycosa norvegica sudetica hat sich gar auf Blockhalden als Lebensraum spezialisiert und kommt in Mitteleuropa in keinem anderen Lebensraum vor. Daneben leben zahlreiche weitere Spinnenarten in und auf Blockhalden. So konnte im Schwarzwald die äußerst seltene Kugelspinnenart Rugathodes bellicosus auf einer Blockhalde nachgewiesen werden. Diese troglophile (höhlenbewohnende) Art lebt in den dunklen Kleinsthöhlen, die sich auf Blockhalden durch die Schichtung des Gesteins gebildet haben. Insgesamt kann die Spinnenfauna auf Blockhalden als eine Mischung aus spezialisierten Arten, Fels- und Spaltenbewohnern sowie einigen Waldbodenarten betrachtet werden.

Blockhalden und Naturschutz

Aufgrund ihrer Einzigartigkeit haben Blockhalden einen hohen Wert für den Natur- und Artenschutz. Diese waldfreien Relikte aus der Eiszeit konnten sich ungestört entwickeln, weshalb Blockhalden grundsätzlich im Landesnaturschutzgesetz von Baden-Württemberg geschützt sind. Mit Gründung des Nationalparks Schwarzwald steht nun auch die Umgebung der Blockhalden unter Schutz, was zum langfristigen Erhalt der Flora und Fauna der Blockhalden beiträgt.